
n Das Betreuungs- und Erziehungszentrum "Kinderhilfswerk" mit Sitz in Kraków ist eine nicht öffentliche Einrichtung im Sinne des Gesetzes vom 12. März 2004 über Sozialhilfe (GBl. von 2008 Nr. 115, Ziffer 728), die überwiegend aus Mitteln der Stadtgemeinde Kraków durch Vermittlung des Städtischen Zentrums für Sozialhilfe finanziert wird.
n Gründungsorgan und Verwalter des Zentrums ist der Provinzobere Südpolens der Gesellschaft Jesu in Krakau.
n Die Arbeit des Zentrums wird durch die Kinderhilfswerk Rupert-Mayer-Stiftung unterstützt.
n Das Zentrum ist eine Mehrzweckeinrichtung, die Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren, deren Eltern die Betreuung entzogen wurde, rund um die Uhr betreut. Die Arbeit des Zentrums umfasst sowohl das Kind als auch dessen Familie. Das Betreuungs- und Erziehungszentrum ist in zwei Häusern tätig.

Das Haus in Kraków ist eine Notfalleinrichtung. Zu jeder Zeit bei Tag und Nacht kann hier ein Kind eingeliefert werden, das sich aus den verschiedensten Gründen (am häufigsten wegen häuslicher Gewalt, Abhängigkeitssyndromen, Verletzung der Aufsichtspflicht, Aussetzung des Kindes, mangelhafter Erziehung) nicht mehr zuhause in seiner Familie aufhalten kann und einer Betreuung bedarf. Das Haus in ¯mi±ca ist eine sozialisierende Einrichtung, die auf eine langfristige Arbeit mit den Kindern eingestellt ist.
Die ins Zentrum kommenden Kinder werden rund um die Uhr betreut. Pädagogische, psychologische und logopädische Probleme werden analysiert. Die Schützlinge haben dank der richtigen Förderung ihrer Entwicklung die Chance, die Defizite auszugleichen, die während ihres Aufenthaltes in der biologischen Familie entstanden sind. Unsere Kinder kommen ihrer Schulpflicht in Bezirksschulen nach.
Hauptprobleme der Kinder, die in die Einrichtung kommen:
n Gesundheitliche Versäumnisse (keine Impfungen, keine Vorsorgeuntersuchungen bzw. notwendigen Arztbesuche; mangelhafte Ernährung, u. dgl.)
n Hygienische Vernachlässigung
n Fehlende Bildung (Mangel an Schulkenntnissen, falsche Einstellung zu schulischen Pflichten)
n Psychische und physische Probleme, die sich aus Gewalterfahrungen in der Familie ergeben
n Probleme, die sich aus Abhängigkeitssyndromen in der Familie ergeben, Mitabhängigkeitssyndrome (durch Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch)
n Anpassungsschwierigkeiten - Emotionen, die sich aus dem Verlassen der häuslichen Gemeinschaft und der Anpassung an einen neuen Ort ergeben (Angst, Ärger, Schuldgefühl, u. dgl.)
n Emotionen, die sich aus dem Kontakt mit der biologischen Familie ergeben (Enttäuschung, Verbitterung, nicht eingehaltene Versprechen)
n Soziale Verwaisung und damit verbundene Schwierigkeiten
- Gefühl der Einsamkeit, der Verlassenheit (obwohl die Eltern leben)
- Schuldgefühl – das Wegnehmen aus der häuslichen Familie wird vom Kind oft als Strafe empfunden
- kein Zugehörigkeitsgefühl
- unbefriedigtes Bedürfnis nach emotionalen Kontakten
Die Zusammenarbeit mit der Familie des Kindes, das im Zentrum untergebracht wurde, besteht u.a. in der Diagnose der Ursachen der familiären Krise und in der Erarbeitung eines Hilfsplanes, z.B. Verordnen einer Entziehungstherapie, Familientherapie u. dgl. Halbjährlich werden Treffen unter Beteiligung der Familie, der Mitarbeiter des städtischen Zentrums für Sozialhilfe und der Pfleger veranstaltet, um die Situation des Kindes sowie eventuelle Veränderungen, die sich in der Familie vollzogen haben, zu besprechen. Analysiert werden auch die Aussichten auf eine Rückkehr des Kindes in die Obhut der Eltern.
Das
Zentrum wickelt darüber hinaus formale Angelegenheiten für die
untergebrachten Kinder ab. Seine Mitarbeiter nehmen an Gerichtsverhandlungen
teil und erstellen komplexe Unterlagen, die das Kind und seine Familie
betreffen. Wenn die Zusammenarbeit mit der biologischen Familie zu keinen
positiven Ergebnissen führt, bemüht sich das Zentrum, die Rechtssituation
des Kindes zu regeln, indem ein Antrag auf Entziehung des elterlichen
Sorgerechtes gestellt wird. Die Entscheidung des Gerichtes über die
Entziehung des elterlichen Sorgerechtes ermöglicht die Anmeldung des
Schützlings zur Adoption und gibt ihm die Chance auf eine glückliche
Kindheit in einer liebevollen Familie. Für Mündel, deren Rechtslage auf
diese Weise nicht entschieden werden kann, suchen wir einen Platz in einem
Familienkinderheim oder bei einer Ersatzfamilie.
Dieses Arbeitsmodell mit den im Zentrum aufgenommenen Kindern stellt das Ergebnis jahrelanger Erfahrungen dar und wird in dieser Form nicht anderweitig in Polen angewandt.
Ausgangspunkt unserer Tätigkeit war das Bedürfnis, den verwaisten Kindern einen Ersatz für das familiäre/häusliche Leben zu schaffen. Für die sich im Zentrum aufhaltenden Kinder ist eine dauerhafte Betreuung und die permanente Anwesenheit eines Erziehers rund um die Uhr an allen Wochentagen gewährleistet. Zwei "Erzieherschichten" wechseln sich in einem wöchentlichen Rhythmus ab. Unsere Kinder sprechen alle Mitarbeiter des Zentrums mit "Tante" und "Onkel" an.
Die
Kinder nehmen auch Pflichten im Haus wahr (helfen beim Aufräumen, haben
Dienst in der Küche, machen gemeinsam mit dem Erzieher Einkäufe u. dgl.).
Wir setzen uns dafür ein, dass unseren Schützlingen auch vielfältige
Aktivitäten außerhalb des Zentrums geboten werden. Wir organisieren Fahrten
zum Skilaufen sowie Kino-, Theater- und Konzertbesuche, wir schaffen
Möglichkeiten zur Entwicklung individueller Interessen durch die Teilnahme
an Kunst-, Musik-, Fotografie- und Sportlehrveranstaltungen. Seit zwei
Jahren fahren unsere Kinder für zwei Wochen an die Ostsee. Für viele von
ihnen ist dies die erste Gelegenheit, "einen so großen Sandkasten" (so haben
die Kinder den Strand bezeichnet) zu sehen.
Unsere
Arbeit mit den Kindern (und eigentlich das Leben mit ihnen) geht dahin, die
Entwicklungsdefizite auszugleichen, die Schulversäumnisse nachzuholen,
positive Einstellungen zu entwickeln, das Selbstwertgefühl und den Glauben
an die eigenen Kräfte zu stärken und sie zur Überwindung von Schwierigkeiten
anzuspornen. Wir legen großen Wert darauf, dass die Anstrengungen und
Leistungen unserer Schützlinge hochgeschätzt werden. Dem dient ein im Laufe
der Jahre entwickeltes Motivationssystem für die Kinder. Sie werden gelobt
und ausgezeichnet, auch wenn es nur kleine Erfolge sind (Aneignung des
Einmaleins, Durchlesen eines Buches, Beherrschen des Schuhschnürens, Ordnung
halten im Zimmer, positives Klausurergebnis in der Schule). Wir wollen, dass
unsere Schützlinge in der Überzeugung aufwachsen, dass sie sich in keinerlei
Weise von ihren Altersgenossen unterscheiden, die in ihren eigenen Familien
leben, dass sie wertvolle Menschen sind, die mit eigener Anstrengung viel
erreichen können.
Mit dem Zentrum arbeitet eine Gruppe von Volontären zusammen, die das Personal bei der Betreuung der Kinder unterstützen. Sie helfen unseren Schützlingen bei den Hausaufgaben, organisieren ein Freizeitprogramm, nehmen sie zu Exkursionen mit und gehen immer mit gutem Beispiel voran.